Diese Sondervorschrift gilt fr die wiederkehrende Prfung von umformten Flaschen gem der Begriffsbestimmung in Abschnitt 1.2.1.

Umformte Flaschen, die dem Absatz 6.2.3.5.3.1 des ADR unterliegen, mssen einer wiederkehrenden Prfung in bereinstimmung mit Absatz 6.2.1.6.1 des ADR unterzogen werden, die durch die folgende alternative Methode angepasst wird:

- Die in Absatz 6.2.1.6.1 d) des ADR vorgeschriebene Prfung muss durch alternative zerstrende Prfungen ersetzt werden.
- Es mssen besondere, zustzliche zerstrende Prfungen durchgefhrt werden, die sich auf die Eigenschaften der umformten Flaschen beziehen.

Die Verfahren und Anforderungen dieser alternativen Methode sind nachstehend beschrieben.

Alternative Methode:

a) Allgemeines

Die folgenden Vorschriften gelten fr umformte Flaschen, die in Serie und auf der Grundlage von geschweiten Stahlflaschenkrpern gem der Norm EN 1442:2017, EN 14140:2014 + AC:2015 oder der Anlage I, Teile 1 bis 3 der Richtlinie des Rates 84/527/EWG hergestellt sind. Die Auslegung der Umformung muss das Vordringen von Wasser zum inneren Stahlflaschenkrper verhindern. Die Umwandlung des Stahlflaschenkrpers in eine umformte Flasche muss den entsprechenden Vorschriften der Normen EN 1442:2017 und EN 14140:2014 + AC:2015 gengen.

Umformte Flaschen mssen mit selbstschlieenden Ventilen ausgerstet sein.

b) Grundgesamtheit

Eine Grundgesamtheit umformter Flaschen ist definiert als die Produktion von Flaschen eines einzelnen Herstellers von Umformungen unter Verwendung von durch einen einzelnen Hersteller hergestellten neuen Innenflaschenkrpern aus Stahl innerhalb eines Kalenderjahres, die auf Flaschen derselben Bauart, derselben Werkstoffe und derselben Herstellungsverfahren basieren.

c) Untergruppen einer Grundgesamtheit

Innerhalb der oben definierten Grundgesamtheit mssen umformte Flaschen, die verschiedenen Eigentmern gehren, in spezifische Untergruppen, und zwar eine je Eigentmer, aufgeteilt werden. 

Wenn die gesamte Grundgesamtheit einem einzigen Eigentmer gehrt, entspricht die Untergruppe der Grundgesamtheit.

d) Rckverfolgbarkeit

Die Kennzeichen der Innenflaschenkrper aus Stahl in bereinstimmung mit Unterabschnitt 6.2.3.9 des ADR mssen auf der Umformung wiederholt werden. Darber hinaus muss jede umformte Flasche mit einer individuellen widerstandsfhigen elektronischen Erkennungseinrichtung ausgestattet sein. Die genauen Eigenschaften der umformten Flaschen mssen vom Eigentmer in einer zentralen Datenbank aufgezeichnet werden. Die Datenbank muss fr Folgendes verwendet werden:

- die Identifizierung der spezifischen Untergruppe;
- die Zurverfgungstellung der spezifischen technischen Eigenschaften der Flaschen, zumindest bestehend aus Seriennummer, Produktionslos des Stahlflaschenkrpers, Produktionslos der Umformung, Zeitpunkt der Umformung, fr die Prfstellen (wie in Abschnitt 1.2.1 definiert), Befllzentren und zustndigen Behrden;
- die Identifizierung der Flasche, indem eine Verbindung zwischen der elektronischen Einrichtung und der Datenbank anhand der Seriennummer hergestellt wird;
- die Prfung der Vorgeschichte der einzelnen Flasche und die Festlegung von Manahmen (z. B. Befllung, Stichprobenentnahme, Wiederholungsprfung, Zurckziehung);
- die Aufzeichnung der durchgefhrten Manahmen, einschlielich des Datums und der Adresse des Ortes der Durchfhrung.

Die aufgezeichneten Daten mssen durch den Eigentmer der umformten Flaschen whrend der gesamten Lebensdauer der Untergruppe zur Verfgung gehalten werden.

e) Stichprobenentnahme fr die statistische Auswertung

Die Stichprobenentnahme muss nach Zufallsprinzip aus einer in Absatz c) definierten Untergruppe erfolgen. Die Gre jeder Stichprobe je Untergruppe muss der Tabelle in Absatz g) entsprechen.

f) Prfverfahren fr die zerstrende Prfung

Die in Absatz 6.2.1.6.1 des ADR vorgeschriebenen Prfungen mssen durchgefhrt werden, mit Ausnahme der Prfung des Absatzes d), die durch das folgende Prfverfahren ersetzt wird:
- Berstprfung (in bereinstimmung mit der Norm EN 1442:2017 oder EN 14140:2014 + AC:2015).

Darber hinaus mssen die folgenden Prfungen durchgefhrt werden:

- Haftfestigkeitsprfung (in bereinstimmung mit der Norm EN 1442:2017 oder EN 14140:2014 + AC:2015),
- Abschl- und Korrosionsprfungen (in bereinstimmung mit der Norm EN ISO 4628-3:2016).

Die Haftfestigkeitsprfung, die Abschl- und Korrosionsprfungen und die Berstprfung mssen an jeder zugehrigen Stichprobe gem der Tabelle in Absatz g) erstmalig nach 3 Jahren Betrieb und danach alle 5 Jahre durchgefhrt werden.

g) Statistische Auswertung der Prfergebnisse - Methode und Mindestanforderungen

Das Verfahren fr die statistische Auswertung in bereinstimmung mit den zugehrigen Zurckweisungskriterien ist im Folgenden beschrieben. 

+-----------+---------+--------------+-----------------+----------------------+
| Prf-     | Art der | Norm         | Zurckweisungs- | Bildung einer Stich- |
| intervall | Prfung |              | kriterien       | probe aus einer      |
|           |         |              |                 | Untergruppe          |
+-----------+---------+--------------+-----------------+----------------------+
| nach 3    | Berst-  | EN 1442:2017 | Berstdruckpunkt | 3 x dritte Wurzel    |
| Jahren    | prfung |              | der reprsenta- | aus Q oder Q/200, je |
| Betrieb   |         |              | tiven Stichprobe| nachdem, welcher der |
| (siehe    |         |              | muss ber dem   | beiden Werte geringer|
| Absatz f))|         |              | unteren Grenz-  | ist, und mindestens  |
|           |         |              | wert des Tole-  | 20 pro Untergruppe   |
|           |         |              | ranzintervalls  | (Q)                  |
|           |         |              | im Stichproben- |                      |
|           |         |              | Arbeitsdiagramm |                      |
|           |         |              | liegen          |                      |
|           |         |              | (Formel siehe   |                      |
|           |         |              | Funote *)      |                      |
|           |         |              | kein einzelnes  |                      |
|           |         |              | Prfergebnis    |                      |
|           |         |              | darf geringer   |                      |
|           |         |              | sein als der    |                      |
|           |         |              | Prfdruck       |                      |
|           +---------+--------------+-----------------+----------------------+
|           | Absch- | EN ISO 4628- | hchster Korro- | Q/1000               |
|           | lung und| 3:2016       | sionsgrad:      |                      |
|           | Korro-  |              | Ri2             |                      |
|           | sion    |              |                 |                      |
|           +---------+--------------+-----------------+----------------------+
|           | Haftfes-| ISO 2859-    | Haftfestigkeits-| siehe ISO 2859-      |
|           | tigkeit | 1:1999 +     | wert > 0,5 N/mm| 1:1999 + A1:2011,    |
|           | des Po- | A1:2011      |                 | angewendet auf       |
|           | lyure-  | EN 1442:2017 |                 | Q/1000               |
|           | thans   | EN 14140:2014|                 |                      |
|           |         | + AC:2015    |                 |                      |
+-----------+---------+--------------+-----------------+----------------------+
| danach    | Berst-  | EN 1442:2017 | Berstdruckpunkt | 6 x dritte Wurzel    |
| alle 5    | prfung |              | der reprsenta- | aus Q oder Q/100, je |
| Jahre     |         |              | tiven Stichprobe| nachdem, welcher der |
| (siehe    |         |              | muss ber dem   | beiden Werte geringer|
| Absatz f))|         |              | unteren Tole-   | ist, und mindestens  |
|           |         |              | ranzintervalls  | 40 pro Untergruppe   |
|           |         |              | im Stichproben- | (Q)                  |
|           |         |              | Arbeitsdiagramm |                      |
|           |         |              | liegen          |                      |
|           |         |              | (Formel siehe   |                      |
|           |         |              | Funote *)      |                      |
|           |         |              | kein einzelnes  |                      |
|           |         |              | Prfergebnis    |                      |
|           |         |              | darf geringer   |                      |
|           |         |              | sein als der    |                      |
|           |         |              | Prfdruck       |                      |
|           +---------+--------------+-----------------+----------------------+
|           | Absch- | EN ISO 4628- | hchster Korro- | Q/1000               |
|           | lung und| 3:2016       | sionsgrad:      |                      |
|           | Korro-  |              | Ri2             |                      |
|           | sion    |              |                 |                      |
|           +---------+--------------+-----------------+----------------------+
|           | Haftfes-| ISO 2859-    | Haftfestigkeits-| siehe ISO 2859-      |
|           | tigkeit | 1:1999 +     | wert > 0,5 N/mm| 1:1999 + A1:2011,    |
|           | des Po- | A1:2011      |                 | angewendet auf       |
|           | lyure-  | EN 1442:2017 |                 | Q/1000               |
|           | thans   | EN 14140:2014|                 |                      |
|           |         | + AC:2015    |                 |                      |
+-----------+---------+--------------+-----------------+----------------------+

*) Om >= 1 + Os x k3(n;p;1-alpha). In dieser und der nachfolgenden Formel steht das "O" fr den griechischen Grouchstaben Omega. Der Berstdruckpunkt (BPP) der reprsentativen Stichprobe wird fr die Auswertung der Prfergebnisse mit Hilfe eines Stichproben-Arbeitsdiagramms verwendet.

Schritt 1: Bestimmung des Berstdruckpunkts (BPP) einer reprsentativen Stichprobe

Jede Stichprobe wird durch einen Punkt reprsentiert, dessen Koordinaten der Mittelwert der Ergebnisse der Berstprfung und die Standardabweichung der Ergebnisse der Berstprfung sind, jeweils bezogen auf den entsprechenden Prfdruck:

BPP: (Os = s / PH; Om = x / PH)

wobei:
x = Mittelwert der Stichprobe;
s = Standardabweichung der Stichprobe;
PH = Prfdruck

Schritt 2: Grafische Darstellung in einem Stichproben-Arbeitsdiagramm

Jeder Berstdruckpunkt wird auf ein Stichproben-Arbeitsdiagramm mit folgenden Achsen eingezeichnet:

- Abszisse: Standardabweichung bezogen auf den Prfdruck (Os)
- Ordinate: Mittelwert bezogen auf den Prfdruck (Om)

Schritt 3: Bestimmung des entsprechenden unteren Grenzwerts des Toleranzintervalls im Stichproben-Arbeitsdiagramm

Die Ergebnisse der Berstprfung mssen zunchst gem dem Joint Test (gemeinsamer Test) (multidirektionaler Test) unter Anwendung eines Signifikanzniveaus von alpha = 0,05 (siehe Absatz 7 der Norm ISO 5479:1997) geprft werden, um festzustellen, ob die Ergebnisverteilung fr jede Stichprobe normal oder nicht normal ist.

- Fr eine normale Verteilung ist die Bestimmung des entsprechenden unteren Toleranzgrenzwerts in Schritt 3.1 dargestellt.
- Fr eine nicht normale Verteilung ist die Bestimmung des entsprechenden unteren Toleranzgrenzwerts in Schritt 3.2 dargestellt.

Schritt 3.1: Unterer Grenzwert des Toleranzintervalls fr Ergebnisse mit normaler Verteilung

In bereinstimmung mit der Norm ISO 16269-6:2014 und unter Bercksichtigung, dass die Varianz unbekannt ist, muss das einseitige statistische Toleranzintervall fr ein Konfidenzniveau von 95 % und einen Anteil der Gesamtheit von 99,9999 % betrachtet werden.

Nach Auftragen im Stichproben-Arbeitsdiagramm wird der untere Grenzwert des Toleranzintervalls durch eine Linie der konstanten berlebensrate reprsentiert, die durch folgende Formel definiert ist:

Om = 1 + Os x k3(n;p;1-alpha)

wobei:
k3 = Faktorfunktion von n, p und 1-alpha;
p = Anteil der fr das Toleranzintervall gewhlten Gesamtheit (99,9999 %);
1-alpha = Konfidenzniveau (95 %);
n = Stichprobengre.

Der fr normale Verteilungen zugeordnete Wert fr k3 muss der Tabelle am Ende von Schritt 3 entnommen werden.

Schritt 3.2: Unterer Grenzwert des Toleranzintervalls fr Ergebnisse mit nicht normaler Verteilung

Das einseitige statistische Toleranzintervall muss fr ein Konfidenzniveau von 95 % und einen Anteil der Gesamtheit von 99,9999 % betrachtet werden.

Der untere Toleranzgrenzwert wird durch eine Linie der konstanten berlebensrate reprsentiert, die durch die im vorhergehenden Schritt 3.1 dargestellte Formel bestimmt ist, wobei der Faktor k3 auf den Eigenschaften einer Weibull-Verteilung basiert und danach berechnet wird.

Der fr Weibull-Verteilungen zugeordnete Wert fr k3 muss der nachstehenden Tabelle am Ende von Schritt 3 entnommen werden. 

+--------------+-------------+------------+
|             Tabelle fr k3              |
|   p = 99,9999 % und (1-alpha) = 0,95    |
+--------------+-------------+------------+
| Stichproben- |   normale   |  Weibull-  |
|    gre     |  Verteilung | Verteilung |
|       n      |      k3     |     k3     |
+--------------+-------------+------------+
|      20      |   6,901     |   16,021   |
|      22      |   6,765     |   15,722   |
|      24      |   6,651     |   15,472   |
|      26      |   6,553     |   15,258   |
|      28      |   6,468     |   15,072   |
|      30      |   6,393     |   14,909   |
|      35      |   6,241     |   14,578   |
|      40      |   6,123     |   14,321   |
|      45      |   6,028     |   14,116   |
|      50      |   5,949     |   13,947   |
|      60      |   5,827     |   13,683   |
|      70      |   5,735     |   13,485   |
|      80      |   5,662     |   13,329   |
|      90      |   5,603     |   13,203   |
|     100      |   5,554     |   13,098   |
|     150      |   5,393     |   12,754   |
|     200      |   5,300     |   12,557   |
|     250      |   5,238     |   12,426   |
|     300      |   5,193     |   12,330   |
|     400      |   5,131     |   12,199   |
|     500      |   5,089     |   12,111   |
|    1000      |   4,988     |   11,897   |
|  unendlich   |   4,753     |   11,408   |
+--------------+-------------+------------+

Bem. Wenn die Stichprobengre zwischen zwei Werten liegt, muss die am nchsten liegende kleinere Stichprobengre gewhlt werden.

h) Manahmen, wenn die Akzeptanzkriterien nicht erfllt werden

Wenn ein Ergebnis der Berstprfung, der Abschl- und Korrosionsprfung oder der Haftfestigkeitsprfung die Kriterien, die in der Tabelle in Absatz g) angegeben sind, nicht erfllt, muss die betroffene Untergruppe umformter Flaschen vom Eigentmer fr weitere Untersuchungen ausgesondert werden und darf nicht befllt oder fr die Befrderung und Verwendung freigegeben werden.

In Absprache mit der zustndigen Behrde oder der Xa-Stelle, welche die Baumusterzulassung erteilt hat, mssen zustzliche Prfungen durchgefhrt werden, um die Grundursache des Versagens zu ermitteln.

Wenn nicht nachgewiesen werden kann, dass die Grundursache auf die betroffene Untergruppe des Eigentmers begrenzt ist, muss die zustndige Behrde oder die Xa-Stelle Manahmen in Bezug auf die gesamte Grundgesamtheit und eventuell andere Herstellungsjahre ergreifen.

Wenn nachgewiesen werden kann, dass die Grundursache auf einen Teil der betroffenen Untergruppe begrenzt ist, drfen die nicht betroffenen Teile von der zustndigen Behrde fr die Wiederinbetriebnahme zugelassen werden. Es muss nachgewiesen werden, dass keine einzelne umformte Flasche, die wieder in Betrieb genommen wird, betroffen ist.

i) Anforderungen an Befllzentren

Der Eigentmer muss der zustndigen Behrde Nachweise zur Verfgung stellen, dass die Befllzentren

- den Vorschriften des Unterabschnitts 4.1.4.1 des ADR Verpackungsanweisung P 200 (7) entsprechen und die Anforderungen der in der Tabelle in Unterabschnitt 4.1.4.1 des ADR Verpackungsanweisung P 200 (11) in Bezug genommenen Norm fr Prfungen vor dem Befllen erfllt und richtig angewendet werden;
- ber die angemessenen Mittel zur Erkennung umformter Flaschen durch die elektronische Erkennungseinrichtung verfgen;
- Zugang zu der in Absatz d) festgelegten Datenbank haben;
- die Fhigkeit besitzen, die Datenbank zu aktualisieren;
- ein Qualittssicherungssystem gem der Normenreihe ISO 9000 oder gleichwertiger Normen anwenden, das von einer von der zustndigen Behrde anerkannten akkreditierten unabhngigen Stelle zertifiziert ist.